Letztes Wochenende ging ich wieder einmal an ein Konzert. Und zwar von niemand geringerem als vom US-amerikanischen Rapper «The Game». Dass dieses Konzert jedoch eine weitere Ernüchterung sein wird, hätte ich eigentlich ahnen müssen. Ein Plädoyer, weshalb ich wohl kein US-Rap-Konzert mehr besuchen werde.

Samstag, 20.30 Uhr in Zürich: Ich treffe mich mit meinem langjährigen Kumpel. Unbedingt wollte er an dieses Konzert. Er, ein eingefleischter Fan von The Game, der am liebsten weitere 120 Franken ausgegeben hätte, um Backstage sein zu können und Fotos von der Bühne aus zu knipsen. Jedoch stand ich ihm auf der Bremse, da ich erstens nicht mehr vierzehn bin und zweitens, dass mich in der Regel einfach nur das Konzert interessiert. Soweit so gut, wir machten uns daraufhin auf den Weg ins X-TRA.

«Für mich heisst das höchstens, dass es den Künstlern scheissegal ist, wie lange und wie gut sie spielen, da sie eine gute Gage erhalten und sich dann sowieso wieder aus dem Staub machen.»

Unsere Erfahrung mit US-Rap-Konzerten war immer so: Zeit der Türöffnung + 2h bis das Konzert beginnt. Damit sind wir eigentlich immer sehr gut gefahren und deshalb kamen wir auch erst um 21 Uhr an, statt schon um 19 Uhr. Ich weiss bis heute nicht, woher diese US-Rapper-Attitüde stammt. Vielleicht wurde sie von den grossen Rockstars aus den 80ern abgekupfert. In der Meinung, die Leute wären nur noch heisser auf das Konzert. Für mich heisst das höchstens, dass es den Künstlern scheissegal ist, wie lange und wie gut sie spielen, da sie eine gute Gage erhalten und sich dann sowieso wieder aus dem Staub machen. Hier ein konkreter Vergleich: Als wir am Konzert von Farid Bang & Kollegah waren (übrigens ebenfalls im X-TRA), war um 19.00 Uhr Türöffnung und um 20.00 Uhr wurde gespielt. Dort herrschte eine ganz andere Attitüde und man hatte irgendwie mehr fürs Geld.

Schade eigentlich, denn wenn man mich kennt, weiss man, dass ich seit mehr als 15 Jahren Rapfan bin und dass „The Documentary“ von The Game sogar eines meiner ersten Rapalben ist, die ich dazumals gekauft hatte. Auch hatte ich ihn schon einmal am Frauenfeld erlebt: Eine Wucht! Ein Mann mit Statements, dem es scheissegal ist, wenn er irgendwelche andere Rapper schreiend als Idioten bezeichnet und gleichzeitig einfach abliefert. Deshalb liess ich mich überhaupt dazu überreden, doch mit ans Konzert zu kommen.

Deshalb umso ermüdender die Wartezeit. Als wir hineinkamen, legte ein lokaler DJ auf und versuchte, die wartende Menge einzuheizen. Ich muss sagen, er hatte wirklich coole Tunes mit im Gepäck, wie beispielsweise eine karibisches Cover von «P.I.M.P.». Lustig eigentlich, wenn man bedenkt, dass das Original von 50 Cent stammt, von Games ehemaligen Boss und Mentor, mit dem er sich über Jahre gebeeft hat, meines Wissens bis heute.

Nachdem der DJ fertig mit seinem Set war, sah ich, dass die Bühne voll mit Instrumenten war. Mir war gar nicht bewusst, dass er mit einer Liveband auftreten wird. Ich fand die Idee saucool und dies machte mir auch den Eindruck, als würde uns eine Hammershow bevorstehen. Jedoch wurde meine aufkommende Vorfreude schon wieder gebremst, als die Musiker auf die Bühne kamen und sie sich zuerst einstimmen mussten. Keine Ahnung, weshalb man das nicht hätte früher machen können. Aber nun gut.

«Gehe ich an ein The Game Konzert, dann will ich Lieder hören von The Game und weder von Eazy-E, Dre oder Snoop.»

Die Liveband klang gar nicht mal so schlecht, sie stimmten Lieder von allen möglichen Westcoast-Grössen ein wie von Ice Cube, Eazy-E, Dr. Dre und Snoop Dogg. Plötzlich kam der Tour-DJ auf die Bühne, der nochmals eine Ansage machte, dass das Konzert bald beginnen würde. Daraufhin ergriff er das Mic und rappte gleich selber noch ein paar Stücke in Begleitung der Liveband. Und hier flachte meine Vorfreude leider nun ganz ab, denn: Wenn ich schon an einem Konzert bin von The Game, dann will ich The Game sehen und nicht DJ Hansueli oder sonst irgendwer, der diese elende Wartezeit überbrücken muss.

Vielleicht bin ich auch ein wenig zu alt für diese Spielchen, vielleicht einfach auch nur ein «Bünzli». Doch in diesem Moment wäre ich echt gerne wieder nach Hause gegangen. Und als ich mich nach zweieinhalb Stunden Herumstehen gerade dazu bewegen wollte, betrat der Mann der Stunde doch noch die Bühne: Nämlich The Game. Er coverte zu Beginn gleich ein Stück von Eazy-E. Für mich ehrlich gesagt ein wenig irriterend, da dieser auch schon seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr unter uns weilt. Da wären wir wieder beim Punkt: Gehe ich an ein The Game Konzert, dann will ich Lieder hören von The Game und weder von Eazy-E, Dre oder Snoop.

«Im Club haben wohl mehr geraucht und gekifft als in jedem Fumoir, wohl um dem Rauchverbot zu trotzen und ein wenig Gangster zu sein wie ihr Idol auf der Bühne.»

Daraufhin spielte er doch noch ein paar eigene Lieder, einige davon aus seinem ersten Album. Aber auch neuere Stücke wie «El Chapo», bei dem die Drum-Schläge nur so ins Publikum geballert wurden. Doch danach flachte die Stimmung wieder ab, lieber hielt Game Ansprachen, holte Zuschauer auf die Bühne und soff mit ihnen um die Wette. Dabei zeigte er seine Trinkfestigkeit, als wäre er zu Besuch bei «Wetten, dass…?». Aber ich bin wohl einfach nicht die Zielgruppe. Denn diese kam gekleidet in Merch, hielt ihre Game-Platten dem Künstler vor die Nase und versperrten so den anderen die Sicht auf die Bühne. Die Fans waren teils sturzbesoffen, teils high, teils ignorant. Im Club haben wohl mehr geraucht und gekifft als in jedem Fumoir, wohl um dem Rauchverbot zu trotzen und ein wenig Gangster zu sein wie ihr Idol auf der Bühne.

Und so ging das Konzert nach einer knappen Stunde wieder zu Ende mit dem Song «Hate It Or Love It» und so wohl hier mit einem Statement. Diese Scheissegal-Attitüde mag in den Songs ja cool sein, doch hätte ich mir hier weniger davon gewünscht. Jedoch ist es ein Problem US-Rap-Künstler, denn Künstler aus anderen Staaten beweisen ja, dass beides geht. Und vor allem, dass ihnen die Fans nicht egal sind. Daher werde ich in Zukunft keine US-Rap-Konzerte besuchen und wenn, dann wieder an einem Openair. Dort hat jeder seinen Time-Slot und wenn er diese Haltung an den Tag legt, dann war er das letzte Mal dort.