Ohne Vorurteile und ohne Vorahnung planten wir auf unserer Nordamerikareise einen Abstecher (no pun intended) nach Detroit zu zu machen. Als unser Airbnb-Mann in Toronto, welcher äusserst vernünftig wirkte, uns dann nahelegte dies sein zu lassen, begannen wir an unserer Entscheidung zu zweifeln. Er konnte sogar mit einer Horrorgeschichte aufwarten, dass bei seinem letzten Besuch die Hauptzentrale der Polizei geschlossen werden musste, wegen einem „Drive-by-Shooting“. Mit den den Worten „if you’re not leaving the hotel you should be fine“ liess er uns dann ziehen.

Die Internet-Recherche begann und schnell tauchten Berichte wie „How to: Survive a trip to Detroit“ auf, in denen Sätze wie „You are technically not safe anywhere“ zu finden waren. Wir suchten uns also eine Unterkunft in der angeblich sichersten Gegend, schauten zur Vorbereitung „8 Mile“ und stürzten uns ins Abenteuer.

„You are technically not safe anywhere“

Als wir sechs Uhr morgens am Busbahnhof ankamen, probierte ein junger Mann mit sehr unvorteilhaft geschnitten Hosen und einer Narbe im Gesicht uns direkt davon zu überzeugen seine Fahrdienste in Anspruch zu nehmen. Das Auto war verbeult, der Kofferraum konnte nur noch von innen beladen werden, soweit so gut. Nun hatte der gute Mann aber keinen Taxameter und schien auch sonst nicht so genau zu wissen, was er tut. Adrenalin. Er stellte sich als Malik vor, bestand darauf, dass wir seine Nummer speichern und lieferte uns mit dem Angebot für Drogen, Party oder „Pussy“ bei unserem Airbnb ab.

Kurt, bei dem wir übernachteten, führte uns dann später in der Innenstadt herum. Er erklärte uns, dass sich in den letzten Jahren einiges geändert habe und dass Detroit seinem schlechten Ruf nicht mehr ganz gerecht werde. Die Zeiten von brennenden Häusern und unkontrollierbaren Gewaltverbrechen sei dank Investorengeldern und verbesserter Sicherheit langsam vorbei. Zum Beweis brachte er uns in eine der sehr verwahrlosten Gegenden. Im „Heidelberg Project“ verschmilzt Kunst mit Trailer-Park-Ästhetik. Auch hier haben bis 2014 aus Versicherungsgründen die Häuser gebrannt.

Ausserdem zeigte uns Kurt die schönen Seiten Detroits aus der guten alten Zeit. Viele der wunderschönen Art-déco-Gebäude werden nun, nach überstandener Krise, renoviert. Überall wird gebaut, man merkt Detroit ist im Umbruch.

Nach unzähligen Warnungen von Einheimischen, verdutzten Blicken über unser Reiseziel, Bettelversuchen und dem Angebot einen Fernseher zu kaufen verliessen wir dann Detroit mit einem Kater und dem leisen Gefühl irgendwann wiederzukommen. Detroit motherfuckers till we die…